architektur berlin 2024

ISBN 978-3-9825385-1-8 · 17,80 Euro

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Editorial architektur, bauwirtschaft + industrie berlin 2024  Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser, wir haben es geschafft, die aktuelle Ausgabe unseres Fachjournals „architektur, bauwirtschaft + industrie“ Berlin 2024 liegt druckfrisch vor Ihnen oder lädt Sie gerade zu einem virtuellen Ausflug durch die Berliner Architektur- und Bauszene ein. Das die Baubranche als eine der letzten Bastionen gegen sinkendes Wachstum gefallen ist, spürt auch der Berliner Immobilienmarkt. Lange Zeit drehten sich hier die Baukräne besonders dynamisch und verwöhnten Investoren, Unternehmer und Projektpartner mit guten Renditen. Und eigentlich könnte es so weitergehen, denn die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen bleibt, sowohl im Miet- als auch im Eigentumsbereich, nach wie vor hoch. Da sich Wohnraum leider nicht kurzfristig realisieren lässt, hinkte der Wohnungsmarkt in den letzten Jahrzehnten immer der Nachfrage hinterher. Seit 2020 verschärfte sich diese angespannte Situation noch durch die Pandemie und die zunehmende Anzahl von geflüchteten Menschen, die ebenfalls auf Wohnraum und Infrastruktur angewiesen sind. Die derzeitigen Bremsen der Baukonjunktur werden allerdings nicht so schnell gelöst werden können, wie sonst: Fachkräftemangel, Preissteigerung und Investorenmüdigkeit. Schon melden sich Schwarzseher zu Wort, die unken, „wer heute baut, ist morgen insolvent“. Sicherlich die Preise galoppieren davon, Flächen werden immer knapper und Investoren sowie Bauherren zögern angesichts der derzeitigen Zinspolitik. Mit dem Schneller-Bauen-Gesetz versucht der Berliner Senat, den Bau von Wohnungen zu erleichtern. Derzeit liegt der Gesetzentwurf den Akteuren zur Stellungnahme vor und soll im Herbst 2024 in Kraft treten. Es handelt sich dabei um eines der prioritären Regierungsvorhaben und verfolgt das Ziel, die Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse zu beschleunigen und die allgemeinen Rahmenbedingungen für das Bauen in Berlin zu verbessern. Doch es gibt auch Projekte, die mit Engagement und Kreativität umgesetzt werden. Einige davon haben wir für die vorliegende Ausgabe ausgesucht und stellen Sie Ihnen näher vor. In den Zeiten, in denen die Wirtschaftlichkeit ein Projekt in Geiselhaft nimmt, sind verstärkt neue Ideen gefragt, die durch ihre Lage oder Materialwahl überzeugen. So zum Beispiel das Wohnquartier am Kronenpark in Königs-Wusterhausen. Die Kommune hat sich rechtzeitig um eine funktionierende Infrastruktur gekümmert und gehört heute zu den beliebten Wohnadressen im Speckgürtel von Berlin mit einem hohen Flächenpotenzial. Dem Klimaschutz tritt man bei den beiden ALASKA Bürogebäuden mit einer Holz-Hybrid-Bauweise entgegen, die an traditionelle Holzverbindungen erinnert. Beim Schulbau setzt man auf Modulare Ergänzungsbauten, bei denen sich schonmal die Bauzeit einer neuen Schule auf rund 100 Werktage reduziert. Es gibt sie also noch, die Erfolgsmodelle mit raffinierten Grundrissen als Mikroapartments oder Studentisches Wohnen, die Immobilien, die ihre ursprüngliche Nutzung zu Gunsten einer veränderten Marktsituation anpassen können oder intelligente Nachverdichtungen, die auch für die Bestandsbewohner zu einem echten Gewinn werden. Wir möchten uns an dieser Stelle für die redaktionelle Zusammenarbeit und die Mitwirkung aller am Bau aktiven Partner bedanken. Sie haben unsere vorliegende Ausgabe mitgestaltet und was noch viel wichtiger ist: sie gestalten weiterhin den Berliner Immobilienmarkt. Aus urheberechtlichen Gründen mussten wir bei dem einen oder anderen Projekt ersatzweise auf Baustellenfotos ausweichen und können keine Visualisierungen in gewohnt guter Qualität abbilden. Alle Informationen wurden aktuell recherchiert und geben Ihnen so einen Einblick in spannende Planungen, die wir gerne für Sie bis zur nächsten Ausgabe im Auge behalten. Derzeit sind wir in Hamburg und Schleswig-Holstein unterwegs, um die neuen Ausgaben für 2025 vorzubereiten. Nähere Informationen zu beiden Neuauflagen gibt es bei: Steffen Meininger Agenturleitung Telefon: 040 18016821 Mobil: 0173 3441588 E-Mail: s.meininger@v-p-c.de Vielen Dank für Ihr Vertrauen und bleiben Sie gesund. 3

Anzeigen 4 Vorwort 6 Susanne Klabe Vorwort 7 Dr.-Ing. Ralf Ruhnau Vorwort 8 Theresa Keilhacker Vorwort 9 Dr. Ing. Alexander Gaulke Fachbericht: 116 Wünschelrute für geotechnische Erkundungen? Geophysikalisch-neurologischer Erklärungsansatz für die Funktionsweise von Wünschelruten Neues Bauland mitten in der Stadt „er-finden“ 10 Locationscouts in und um Berlin unterwegs Quartier der Vielfalt als Beitrag zu 13 leistbarem Wohnen Aktuell größtes Bauvorhaben der degewo Ein Stück Berlin gestalten 14 Neubauprojekte rund um den Kaulsdorfer Cecilienplatz im Bezirk Marzahn-Hellersdorf Ein neuer Boulevard führt in den Stadtteil 16 der Zukunft Einstimmige Entscheidung für das zukünftige Entrée der Siemensstadt Square Wälder, Städte und ihr Kohlenstoffkreislauf 18 Erste Veröffentlichung der neuen Reihe URBAN TECH STUDIES Herzlich Willkommen in Berlin 20 Umgestaltung am Europaplatz Süd vor dem Berliner Hauptbahnhof Die neue Skyline von Berlin wird echt schniecke 22 Hochhausbauten am Alexanderplatz gehen weiter Handschellen der Wirtschaftlichkeit 24 Welchen Beitrag könnten leerstehende Warenhäuser für den Wohnungsmarkt leisten? Zwölf Etagen neue Möglichkeiten 30 Moderne Arbeitswelten im SCHÖNEBERGER ECK in der Martin-Luther-Straße Ob Mittelalter oder deutsch-deutsche Geschichte, 34 die Vergangenheit bleibt präsent Neue Wohnungen entstehen zum Teil auf historischen Geländen Erlebbare Stadtgesellschaft am Halleschen Ufer 36 Kurze Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz Neue Wohnquartiere im Speckgürtel von Berlin 38 Ohne Stau und Parkplatzprobleme ins Berliner Zentrum kommen Grüner Strom für gelbe Züge 50 Klimaoffensive der Berliner Verkehrsbetriebe Einsteigen bitte! 51 Schnelle und nachhaltige Mobilität für eine wachsende Stadt Never change a winning Team 58 BVG Projekt GmbH schließt innerstädtische Berliner Infrastruktur Mit Partnering-Modellen Bauvorhaben 66 zügig erstellen Komplexe Projekte von schlanken Unternehmen Städtebauliche Situation als wertvolles Unikat 76 Kontrastreich oder dezent, massiv oder schwebend? In der Zukunft Zuhause 82 Aus vielen Schritten werden perfekte Lösungen für individuelle Ansprüche Zum 25. Mal vom Allgäu an die Spree 94 Realisierung von Gewerbe- und Wohnprojekten Das ABC der Berliner Business City in Waltersdorf 100 ALPHA und DELTA fertig gestellt, CHARLIE in der Planung Ein gefährlicher Satz; 108 das haben wir immer so gemacht… Wie neue Lernlandschaften die Architektur beeinflussen Von der Lust einzutreten 122 Klassische Architektur mit vornehmer Zurückhaltung Inhalt Visualisierung: © loomn architektur visualisierung Visualisierung: © Dieter Reichel – Reichel Architekten, Braunschweig

Anzeigen 5 Titelfotos von oben nach unten: Technologiepark Adlershof Foto: © bbw Hochschule Hotel Potsdam-Babelsberg Visualisierung: © rewa Villa K Foto: © Markus Löffelhardt A LASKA Berlin Visualisierung: © GRAFT GmbH Wohnen im Spreequartier Visualisierung: © Faber + Faber Architekten PartGmB, Berlin Weitererzählung der Geschichte 128 des seriellen Bauens Moderne Interpretation der DDR-Plattenbauten Neubau von schlüsselfertigen Wohnungen 132 und Doppelhäusern Gestaltung der Region Berlin-Brandenburg Berlin wächst... und das ist gut so 134 Geänderte Rahmenbedingungen sorgen für neue Herausforderungen Das neue Gesicht der Potsdamer Mitte 145 Architektonische Schlusssteine am Alten Markt Orte, die Traditionen und Werte 146 sichtbar und erlebbar machen… ...und dabei christliche Moral und soziales Denken verknüpfen Denkmalschutz gibt städtebaulichen Impuls 152 Wohnraumbedarf rückt ungewöhnliche Projekte in den Fokus Hohe Regionalkompetenz der landeseigenen 158 Immobiliengesellschaft Preisgünstiger Wohnraum für Studierende und Senioren Geförderter Wohnungsbau; 164 ein Baustein der Berliner Stadtentwicklung Zwei Wohnprojekte mit erschwinglichen Mietpreisen So facettenreich wie Immobilien 173 Aufgaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Wohnen am Flakenfließ: 186 moderne Architektur inmitten von Grün Durchdachtes Design kombiniert mit angenehmem Wohnkomfort in einzigartiger Lage Der Berliner Fernstehturm bekommt 188 einen neuen Nachbarn Erinnerung an die Stromlinienmoderne der Zwanziger Jahre Jedes Haus schafft ein Stück Identität 190 Vor allem in einem historischen Umfeld Begeisterung für die handwerkliche Seite 196 der Architektur... …mit einer Spannbreite zwischen Denkmalschutz und Technologiegebäude Kraft der Architektur 202 Heute noch Innovation; morgen schon Standard Musterschüler Raummodul im Leistungskurs 208 Effizienz und Geschwindigkeit Die Zukunftsformel für neue Schulen in Berlin Langfristige Werte mit Immobilien rund um Berlin 214 Stadtbildprägende Projekte in urbanen Lagen Gewerbeimmobilienmarkt vor Herausforderungen 222 Architektur mit Work-Life-Balance-Qualitäten Eine neue Schule fällt nicht einfach vom Himmel 225 Komplexe Planung vom Landkreis Barnim beim Bildungscampus Eine Kita mit Sternwarte und eine Arena 226 für 2.000 Gäste Neue Hochbauprojekte ergänzen die Infrastruktur in Bernau bei Berlin Rekordverdächtige Bauzeit in 228 Neuenhagen bei Berlin Feuerwehrgerätehaus, Schulensemble und Sporthalle ergänzen die Infrastruktur der Gemeinde Impressum 185 Brachenverzeichnis 233 Visualisierung: © Xoio Visualisierung: © xoio GmbH, im Auftrag der C 1 – Central One Midtown Offices GmbH Foto: © ANES Bauausführungen

Vorwort  Susanne Klabe Ein Schneller-Bauen-Gesetz für Berlin: Es geht nicht ohne das richtige Mindset Die Beschleunigung des Wohnungsbaus ist aktuell im Fokus der Berliner Landesregierung. Endlich, möchte man meinen. Der Berliner Senat erarbeitet ein „Schneller-Bauen-Gesetz“. Ziel ist die beschleunigte Umsetzung von Wohnungsbauprojekten, um der aktuellen Krise auf dem Wohnungsmarkt entgegenzuwirken. Die Themenfelder reichen von „Zügiger Durchsetzung gesamtstädtischer Ziele“, über die lange überfällige „Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren“ bis hin zur „Effektiven Neuordnung der Zuständigkeiten“. Allein der Glaube daran, alles mittels Vorschriften auf gesetzgeberischer Ebene regeln zu können, ist allerdings trügerisch. Gebraucht wird im besten Sinne ein Klimawandel für den Neubau. Es braucht Menschen, die verstehen, dass man mit jedem Verfahrensschritt Verantwortung dafür trägt, ob und wie schnell in der Stadt Wohnungen gebaut werden und Menschen ein Dach über dem Kopf finden. Vom Sachbearbeiter über die Stadträtin bis zum Senator. Anderenfalls bleibt das Gesetz ein Papiertiger. Schnelle, unkomplizierte Verfahren und der durchgängige Wille zur Gestaltung bedeuten einen echten Standortvorteil für Berlin; einen Vorteil, den Berlin im eigenen Interesse nutzen muss. Stillstand ist keine Option für die weiter teilweise dynamisch wachsende Stadt. Fehlender Wohnraum würde zunehmend zum Ansiedlungshindernis für Unternehmen. Entscheidend für den Erfolg des Gesetzespakets wird sein, dass sich in den Köpfen aller Verantwortlichen, in Politik, Verwaltung, aber auch innerhalb der Berliner Bevölkerung eine Ermöglichungskultur für den Wohnungsneubau einstellt, um die Herausforderungen der weiterwachsenden Stadt gemeinsam zu meistern. Susanne Klabe Geschäftsführerin BFW Landesverband Berlin/Brandenburg Foto: © BFW Landesverband Berlin/Brandenburg e.V./Claudius Pflug 6

Die Energiewende ist Makulatur Vorwort Dr.-Ing. Ralf Ruhnau  Wir sehen es, wir spüren es – es wird immer offensichtlicher, dass die Energiewende nur noch in der deutschen Politik existiert. Die Realität ist davon weit entfernt. Deutschland ist in eine Rezession gerutscht, eine Deindustrialisierung findet statt, unsere Energiepreise sind eine der höchsten überhaupt und die Stimmung der deutschen Wohnungsbauer ist schlecht. Sie ist so schlecht wie noch nie seit 32 Jahren. Die Wohnungen, die heute nicht gebaut werden, sie fehlen uns dann in zwei Jahren auf dem Mietmarkt. Die Deutsche Bauindustrie sieht zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr. Sie sieht einen Wirtschaftsminister, der sich nicht um die Wirtschaft kümmere. Sie konstatiert, dass keine Aufträge mehr reinkämen, weder im Neubau noch in der Sanierung. Hausbesitzer, Wohnungsunternehmen und Investoren seien maximal verunsichert. Angesichts dieser schleppenden Bautätigkeit stemmt sich jetzt auch die Bauministerin Klara Geywitz gegen die geplante Erhöhung der Energiestandards für Neubauten. Sie fordert eine Debatte, ob wir weitere Standardverschärfungen wirklich durchführen sollten. Vor dem Hintergrund, dass der Wohnungsbau seine Talfahrt unbegrenzt fortsetzt, wenn man der Aussage des IFO-Instituts trauen darf, begrüße ich die Aussage der Bundesbauministerin, dass es jetzt nicht an der Zeit sei, im Wohnungsbau noch einmal die Standards zu verschärfen. Vorgaben zur Stärkung der Dämmung bei EH 40-Neubauten ab Anfang 2025 tritt sie damit deutlich entgegen. Sinnvoller – so Geywitz – sei es daher, eher die Lebenszykluskosten eines Gebäudes zu betrachten. Da hat sie recht! Ich will es damit bewenden lassen und bin optimistisch, dass letztlich die Ideologie der Vernunft weichen wird und mit Augenmaß das energetische Bauen angegangen wird. Unsere Bauindustrie ist eine der Schlüsselwirtschaften für unseren Wohlstand und es wird angesichts der Hysterie vergessen, dass der Anteil Deutschlands am weltweiten CO2-Ausstoß bei rund zwei Prozent (1,76% gemäß Emissionsdatenbank der Europäischen Kommission) liegt. Das bedeutet im Klartext: Selbst wenn es uns gelänge, den CO2Ausstoß quasi über Nacht auf Null zu bringen, würden wir in Deutschland das Weltklima damit gewiss nicht retten. Trotzdem bleiben wir Ingenieure weiterhin gefordert, innovative Energieerzeugung zu denken und zu entwickeln, nicht zuletzt um diese dann zu exportieren. Damit wir auch weltweit sinnvoll dazu beitragen, verantwortlich mit unseren Ressourcen umzugehen. Also: Mehr Realismus ist angesagt und hoffen wir, dass wir in Deutschland noch rechtzeitig die Kurve kriegen. Dr.-Ing. Ralf Ruhnau Präsident der Baukammer Berlin Foto: © Baukammer Berlin, Regine Jelonek 7

Vorwort Theresa Keilhacker Berliner Wohnungsbau Über die Dialektik von Not und Tugend In Berlin fehlen jüngsten Erhebungen zufolge gut 100.000 Wohnungen. Eine ungeheuerliche Zahl. Die bedrückende Lage auf dem hauptstädtischen Wohnungsmarkt zieht nicht nur soziale Verwerfungen nach sich, sondern droht auch die wirtschaftliche Dynamik auszubremsen. Denn wo dringend benötigte Fachkräfte kein Zuhause finden, ziehen sie auch nicht hin. Doch ist das allerorts beschworene „Bauen, bauen, bauen“ wirklich die richtige Lösung für diesen Missstand? Müsste man nicht viel mehr die Frage stellen, wie sich das ehrgeizige politische Ziel – 20.000 neue Wohnungen pro Jahr – mit den baukulturellen, sozialen und klimapolitischen Maßgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung verträgt? Wer den städtischen Wohnungsbau als Auftrag aus der Zukunft versteht, kommt nicht umhin, Planung, Bau und Betrieb von Wohnraum anders zu denken, neu zu gestalten und unter andere, nachhaltige Prämissen zu stellen. Um zu ökologisch verantwortbaren Lösungen für die Wohnungsfrage zu kommen, müssen wir für den Neubau bedarfsgenaue und platzsparende Grundrisslösungen entwickeln, das ressourcenschonende Bauen in Kreisläufen durchsetzen und alle Vorhaben nicht nur auf Suffizienz, Langlebigkeit und Reparierbarkeit prüfen, sondern immer auch fragen: Ist ein Neubau nötig? Denn die von uns Planerinnen und Planern forcierte Bauwende räumt der Weiternutzung und -entwicklung von Bestand den Vorrang ein: Umbau vor Neubau. Im Vorhandenen schlummern immense Potenziale, die gerade in Berlin noch viel zu wenig genutzt werden. Doch dafür muss der Planungsprozess auf allen Ebenen eine Schubumkehr vollziehen – von den Planungsbüros über die Bauämter bis hin zur Bauwirtschaft und der Auftraggeberseite. Und es geht auch nicht ohne neue ordnungspolitische Weichenstellungen. Denn um Bestand weiterentwickeln zu können, fehlt es derzeit an einer flächendeckenden Erhebung der vorhandenen Potenziale ebenso wie an einer Genehmigungspflicht für den Abriss von Altsubstanz. Doch gerade für einen zukunftsfähigen Wohnungsbau reicht es nicht, nur die Produktionsbedingungen im Sinne der Nachhaltigkeit zu transformieren. Nötig ist auch ein Wandel der Wohnansprüche, insbesondere mit Blick auf den ausgeuferten Pro-Kopf-Verbrauch an teuren Quadratmetern. Qualität hat nur bedingt mit Größe zu tun, dafür aber umso mehr mit passenden Grundrissen, die sich flexibel den ändernden Bedürfnissen anpassen können. Der Vielfalt an Lebensentwürfen und Haushaltsgrößen muss auch das räumliche Angebot nachkommen – und sozial und ökologisch wünschenswerte Wohnformen durch entsprechende Planungen ermöglichen. Natürlich ist es nötig, dass nachhaltiger Wohnungsbau bezahlbar bleibt. Deshalb gilt es, die angestrebte Energieeffizienz und den sparsamen Einsatz von endlichen Ressourcen nicht über noch komplexere Gebäudetechnik zu erreichen. Es gibt schon jetzt vielversprechende Low-TechKonzepte, die auf einfache, robuste und reparaturfreundliche Lösungen setzen und weder der Wohnungsqualität noch dem Komfort abträglich sind. Sie helfen, Bau- und Betriebskosten zu reduzieren. Das Gleiche gilt für den industriell vorgefertigten Holzbau, der mit einem planerisch verantwortlichen und klugen Einsatz, beispielsweise bei Aufstockungen auf den Bestand, erhebliche Einsparpotenziale heben kann. Mit weiteren guten Ideen und Ansätzen, auch leerstehende Büroflächen zu Wohnraum werden zu lassen, können wir eine neue Umbaukultur in Berlin etablieren und zum Motor einer echten Bauwende machen. Theresa Keilhacker Präsidentin der Architektenkammer Berlin Foto: © Bettina Keller Fotografie 8

Schwere Zeiten Vorwort Dr. Ing. Alexander Gaulke  Bundesweit fehlen etwa 700.000 Wohnungen und davon allein in Berlin mindestens 50.000. Dies sollte eigentlich zu einer florierenden Bauwirtschaft führen. Zu beobachten ist jedoch eine andere Realität. Viele Projektentwickler gehen in die Insolvenz, das Ifo-Institut meldet einen Höchststand an stornierten Wohnungsbauprojekten bei den Bauunternehmen. Fast die Hälfte der Firmen leidet unter Auftragsmangel. Wie lässt sich dieses Paradoxon erklären? Die hohen Finanzierungs- und Baukosten lassen sich als Verantwortliche dafür schnell identifizieren. Selbst Menschen, die sehr dringend eine Wohnung suchen, können sich Angebotsmieten von deutlich über 17 Euro/m², wie sie für einen aktuellen Neubau erforderlich sind, nicht leisten. Schon jetzt sind viele Haushalte mit den Mietkosen an der Grenze des finanziell Leistbaren und zahlen über 30 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens für die Warmmiete. Aufgrund der gestiegenen Zinsen, Baupreise und Abgaben sowie der hohen Anforderungen an Wärme-, Schall-, und Brandschutz müssten Mietpreise verlangt werden, die am Markt nicht zu erzielen sind. Zusätzlich wird die Situation durch die Notwendigkeit von CO— Einsparungen für den Klimaschutz beim Bauen verkompliziert. Die Anhebung auf den Effizienzhausstandard EH40 würde die monatlichen Mietkosten zusätzlich um ca. 50 Cent/m² erhöhen. Das führt in der Summe dazu, dass kaum neuer Wohnraum geschaffen wird. Zum Glück ist Berlin noch immer eine wachsende Stadt und zieht weiterhin Menschen an, die hier wohnen und arbeiten möchten. Die Prognosen gehen davon aus, dass in Berlin bis 2030 über eine viertel Million mehr Menschen leben werden, die alle bezahlbare Wohnungen benötigen. Um das zu leisten können, benötigt die Bauwirtschaft Unterstützung durch die Politik. Die Aussetzung der Einführung des EH40-Standards ist dabei ein richtiger Schritt. Das soll nicht heißen, dass das durch die Schaffung und Nutzung von Wohnraum emittierte CO— nicht deutlich reduziert werden müsste. Die mögliche Reduktion durch den erhöhten Standard ist jedoch verglichen mit dem Nutzen viel zu teuer. Deutlich effektiver ist eine Regulierung über den CO—-Preis, da das Nutzerverhalten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Zudem könnte durch eine zunehmende Umstellung auf eine fossilfreie Energiegewinnung der Ausstoß von CO— durch das Heizen deutlich gesenkt werden. Ein weiterer Zielkonflikt liegt in der Einsparung von CO— bei der Errichtung von Gebäuden. 25 bis 40 Prozent der CO—-Emissionen von Gebäuden fallen bei der Herstellung an. Hier fehlt die Infrastruktur, um die wichtige Stahl- und Zementproduktion auf Wasserstoff umstellen zu können. Zusätzlich wird der Neubau durch ein hohes Maß an Bürokratie und komplexen Genehmigungsverfahren behindert. Viele Vorschriften sichern zwar einen sehr hohen Standard der Gebäude in Deutschland, führen jedoch ebenso zu den hohen Baukosten. Hier muss es dringend eine entscheidende Reform der Bürokratie geben. Die Maßnahmen der Bundesregierung für zusätzliche Investitionen in den Bau von bezahlbarem und klimagerechtem Wohnraum und zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft sind ein Schritt in die richtige Richtung, werden wahrscheinlich aber noch nicht reichen. Jetzt müssen die Weichen für eine ausreichende Menge an ökologisch nachhaltigem Wohnraum gestellt werden. Angesichts der aktuellen Haushaltsdebatte ist das kein leichtes Unterfangen. Dr. Ing. Alexander Gaulke Landesvorsitzender Berlin-Brandenburg BDB Berlin-Brandenburg Foto: © privat 9

Projekt  Mobilitäts-Hub Neues Bauland mitten in der Stadt „er-finden“ Locationscouts in und um Berlin unterwegs Alle reden von Baulandknappheit. Delusearchitects geht in und um Berlin auf die Suche und „er-findet“ neue Ressourcen. Die Planer entwickeln Ideen für nicht bebaute oder herausfordernde Grundstücke, die mitten in der Stadt liegen und Potenzial haben. Als Locationscouts erkunden sie städtische Räume und generieren an Hand von Studien praxistaugliche Entwürfe. Mit Erweiterungen, Umplanungen und Aufstockungen entdecken sie ungeahnte Möglichkeiten. So rücken z.B. Regenrückhaltebecken, Tankstellen, Parkhäuser und -plätze plötzlich in den Fokus zur Realisierung dringend benötigen Wohnraums. Drei „Er-findungen“ werden nachfolgend vorgestellt: Mobilitäts-Hub im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf/OT Wilmersdorf Mit dem Entwurf für einen Mobilitäts-Hub unter der Stadtautobahn am S-Bahnhof Bundesplatz soll der bisher als Parkplatz und S-Bahn-Zugang genutzte, wenig einladende, Stadtraum belebt werden, indem zeitgemäß und umweltbewusst diverse Verkehrsmittel als Sharing Angebote (Rad, Roller, Auto) zusammengebracht werden. Ein Geschäft, unterschiedlichste Sitzmöglichkeiten und die mit Rutschen bespielte Böschung stärken die Aufenthaltsqualität des neuen urbanen Raumes und laden zum Verweilen ein. Durch den Einsatz farbenfroher Tartanwege im Gebäude, wie auch im Außenraum, und einer transluzenten Fassade wird der ehemals dunkle Ort zu einem hellen und freundlichenStandort, der auch bei Nacht noch ansprechend und lebhaft ist. Gemäß dem Public-Private-Partnership werden die zugehörigen Geschäftsräume auf dem zentral gelegenen Grundstück an den privaten Einzelhändler als Gegenleistung für dessen Betreiben des Mobility Hubs angeboten. Visualisierung: © delusearchitects, Berlin Visualisierung: © delusearchitects, Berlin

Projekt Vorfluter Berliner Wasserbetriebe  Visionen für einen „Vorfluter“ der Berliner Wasserbetriebe im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Auf dem ca. 26.000 m² großen Areal gegenüber vom ehemaligen Flughafen Tempelhof könnten ca. 540 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen mit einem Sockel aus Sport entstehen, wenn man die asphaltierte Fläche des „Vorfluters“ der Berliner Wasserbetriebe mit einer Zisterne überbauen und damit nutzbar machen würde. So einfach die Idee, so schwierig die Realisierung, denn trotz größtem Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaft degewo – an die delusearchitects mit ihrem Entwurf herangetreten sind – trifft eine solche Vision leider nicht überall auf offene Ohren. Die Lage des Projektes in unmittelbarer Nähe des Bergmannkiezes, unweit vom Platz der Luftbrücke, an der Hasenheide und am Tempelhofer Feld – also mitten in der Stadt UND mitten im Grünen – lässt bezüglich der Qualität des Standortes keine Frage offen. Die Abstimmungen auf politischer Ebene laufen seit 2014 und sollen, wenn möglich, zur Aufstellung eines B-Plans durch den Bezirk Kreuzberg führen. Visualisierung: © delusearchitects, Berlin Visualisierung: © delusearchitects, Berlin 11

Projekt  Parkhaus Konstanzer Straße Parkhaus an der Konstanzer Straße im Ortsteil Wilmersdorf Das fast 9.000 m² große Areal läuft pfeilförmig auf die Konstanzer Straße, Ecke Brandenburgische Straße zu. Das dreieckige, terrassierte Grundstück ist mit einem großflächigen, fünfgeschossigen Parkhausgebäude überbaut. An diesem Standort vis-à-vis vom Preußenpark planen deluse architects ca. 520 Büroarbeitsplätze in zentraler Lage. Auf den hellen Baukörper wird ein viergeschossiger anthrazitfarbener Bürokomplex in Holzbauweise gesetzt, den Fensterbänder horizontal betonen. Ein sechseckiger Treppenhausturm gewährleistet die Erschließung. Trotz großer Grundfläche und Höhe wirkt das Büro-Parkhaus (relativ) luftig, da den geschlossenen Obergeschossen, die mit Büros bespielt werden, offene Parkebenen entgegenstehen. Die holzbedeckte Dachterrasse für die Mitarbeiter bietet eine phantastische Aussicht auf die Stadt. Visualisierung: © delusearchitects, Berlin Visualisierung: © delusearchitects, Berlin 12

Quartier der Vielfalt als Beitrag zu leistbarem Wohnen Aktuell größtes Bauvorhaben der degewo Projekt Quartier der Vielfalt, Treptow-Köpenick  Bis zum Jahr 2027 baut degewo in ihrem aktuell größten Bauvorhaben das Quartier der Vielfalt am Bohnsdorfer Weg in Berlin Treptow-Köpenick. Im zweiten Bauabschnitt entstehen 462 Wohnungen in 30 zwei- bis sechsgeschossigen Mehrfamilienhäusern, eine Kindertagesstätte mit bis zu 100 Plätzen und eine Kleingewerbeeinheit. Sie bilden zusammen mit einer modularen Unterkunft für geflüchtete Menschen, die 58 Wohnungen umfasst, das „Quartier der Vielfalt“. Mit diesem Projekt wird Wohnraum für die BerlinerInnen zur Verfügung gestellt, die es sonst auf dem Berliner Wohnungsmarkt zunehmend schwer haben. 210 Mietwohnungen sind sozial gefördert, 42 weitere sind betreute Wohnungen sozialer Träger, die zum Beispiel von Menschen mit seelischer Erkrankung oder Lernschwierigkeiten genutzt werden. Die Mehrfamilienhäuser gruppieren sich um kleine Innenhöfe und werden bis auf ein Gebäude in der nachhaltigen Holzhybridbauweise erbaut. Zum Klimaschutz trägt degewo bei diesem Projekt außerdem durch die Begrünung von Dächern und Fassaden und die Installation von Photovoltaikanlagen bei. Am Rande eines großzügig bepflanzten Platzes wird ein sechsgeschossiges Gebäude den Hochpunkt des Ensembles bilden. Ein Grünzug durchquert von Nord nach Süd das Quartier. Das Quartier der Vielfalt, das auf dem 6,1 Hektar großen Areal einer ehemaligen Gärtnerei entsteht, integriert vielfältige Wohnformen und soziale Einrichtungen. Der Entwurf stammt von DAHM Architekten + Ingenieure GmbH aus Berlin. Die Grundsteinlegung war im April 2024. Die Wohnungen dieses zweiten Bauabschnitts bilden zusammen mit den 58 modularen Unterkünften für Flüchtlinge, die bis Mitte 2024 im ersten Bauabschnitt entstehen, das „Quartier der Vielfalt“, in dem Menschen mit unterschiedlichen Wohnbedürfnissen zu leistbaren Mieten ein neues Zuhause finden. Visualisierung: © DAHM Architekten + Ingenieure GmbH Visualisierung: © DAHM Architekten + Ingenieure GmbH 13

Projekt  Kaulsdorfer Cecilienplatz Ein Stück Berlin gestalten Neubauprojekte rund um den Kaulsdorfer Cecilienplatz im Bezirk Marzahn-Hellersdorf Für die Einen gilt er als Hauptstadt von Balkonien, für die Anderen als ein ungeschliffener Diamant inmitten von Parks und Gartenkultur. Beide meinen den gleichen Standort; den Bezirk Marzahn-Hellersdorf, der 2001 aus der Fusion von Marzahn und Hellersdorf als zehnter Bezirk von Berlin entstand. Bereits in den 1980er Jahren bildeten sich in Hellersdorf Großwohnsiedlungen, die damals noch in Brandenburg lagen. Nach der Wende waren zahlreiche Projekte noch nicht abgeschlossen. Mit der Verschiebung der Stadtgrenze gehören sie seit den 1990er Jahren zu Berlin und wurden fertiggestellt bzw. bestehende Liegenschaften modernisiert und aufgewertet. Umrahmt sind die Plattenbauten vom Wuhletal und der Hönower Weiherkette. Trotzdem weckt kaum ein Bezirk soviel Vorurteile in Hinblick auf Lebensumfeld und Wohnkultur. Komm, wir bauen unsere Stadt Der wachstumsstarke Stadtteil Kaulsdorf nordöstlich vom Berliner Stadtzentrum gelegen, rückte bereits Mitte der 1990er Jahre in den Fokus von internationalen Städteplanern. Das städtebauliche Interesse galt dem Cecilienplatz in Kaulsdorf Nord. Der Londoner Architekt John Thomson bot damals Menschen aus der Nachbarschaft eine Mitwirkung bei der Quartiersentwicklung an. Er war damals seiner Zeit voraus, denn die Einbindung in Form von Ideensammlungen, Planworkshops und die Beteiligung von vielen Akteuren rund um das Planungsgebiet galt zu diesem Zeitpunkt noch als ungewöhnlich. Manche der gesammelten „Visionen“ wurden umgesetzt, vorhandene Gebäude neugestaltet und im Laufe der Jahre setzte sich die Quartiersbezeichnung „Rotes Viertel“ durch, ohne jedoch die Pläne von Thomson komplett umzusetzen. Abbildung: © Clinton Napier – Archecon GmbH

Projekt Kaulsdorfer Cecilienplatz  Im Zuge des demografischen Wandels, der damit dringend gesuchten Wohnlösungen und die Verschärfung für den Wohnungsmarkt durch die politischen Umbrüche der letzten Jahre, rückte innerhalb des „Roten Viertels“ das Areal rund um die U-Bahnstation Kaulsdorf Nord erneut in den Blick. Pläne den U-Bahnhof Kaulsdorf Nord in ein lebendiges Quartier zu integrieren hatte Thomson schon vor rund 30 Jahren. Immer wieder tauchten neue Planungsideen rund um den Cecilienplatz auf, wirklich konkret war es allerdings bisher nicht. Lars Fuhlbrügge übernahm nun als Berliner Architekt diese Planung erneut. Es entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und es war eine Herausforderung, hier zwischen der Hellersdorfer Straße und dem Cecilienplatz eine optimale städtebauliche Lösung zu finden, mit dem U-Bahnhof Kaulsdorf Nord als Mittelpunkt, zwischen dem Spree Center und dem Cecilienplatz, verbunden mit zwei Brücken und zwei Einkaufspassagen. Warum das Projekt für den Architekten eine Herzensangelegenheit wird, erklärt sich aus der Tatsache, dass er selbst seit vielen Jahren in Marzahn lebt. „Viele schauen mich fragend an, wenn ich nach meinem Wohnort gefragt werde. Ich bin mit Leib und Seele mit Marzahn verbunden und kann nur sagen, hier lebt man sich gut ein. Oftmals verbindet man mit Marzahn-Hellersdorf Wohnhochhäuser, Plattenbauten und alle damit verbundenen demografischen Probleme, versucht gar nicht hinter die Kulissen zu blicken“, erklärt Fuhlbrügge. Tatsächlich leben rund zwei Drittel der Bewohner des Bezirks im Großsiedlungsgebiet und nur ein Drittel in kleineren strukturierten Gebieten. Die Wohnhochhausdichte ist nirgendwo in Berlin so hoch, wie hier. Trotzdem gibt es auch viel Grün, feinste internationale Gartenkultur und im direkten Umfeld viele lohnenswerte Naherholungsziele. Zwei Wohntürme rund um den Cecilienplatz Das Planungsgebiet umfasst die Adressen Cecilienplatz 10, 11 und 12 sowie die Hellersdorfer Straße 78. Derzeit stehen die vorhandenen Immobilien aus ehemaligen Wohngebäuden und Gewerbeobjekten leer. In der Mitte sollen zwei zwölfgeschossige Türme mit rund 150 neuen Wohnungen entstehen. Der Entwurf der Hochhäuser entspricht einer modernen und eleganten Variante der gewohnten Form der Umgebungsarchitektur. Direkt am Cecilienplatz, nahe dem UBahnhof Kaulsdorf-Nord verkehrsgünstig gelegen, bietet dieses Projekt einem gemischten Publikum, besonders Familien, nicht nur gute Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch eine vielfältige soziale Infrastruktur. Die hier errichtete Wohnanlage wird durch eine Tiefgarage, die Wiedereingliederung bestehender Nahversorgungseinrichtungen sowie zahlreiche neue Gewerberäume erweitert. Insgesamt besteht es aus vier einzelnen Projekten. Foto: © Clinton Napier – Archecon GmbH Foto: © Clinton Napier – Archecon GmbH 15

Projekt  Siemensstadt Square Berlin Entrée Ein neuer Boulevard führt in den Stadtteil der Zukunft Einstimmige Entscheidung für das zukünftige Entrée der Siemensstadt Square Das zukünftige Entrée zur Siemensstadt Square wird nach einem Entwurf des Büros Greenbox Landschaftsarchitekten Schäfer + Pieper PartG mbB aus Köln gestaltet. Das hat die Jurysitzung Anfang 2024 zum Wettbewerb ergeben, zu dem Siemens gemeinsam mit dem Land Berlin sechs namhafte Landschaftsarchitekturbüros eingeladen hatte. Dem Entrée kommt eine besondere Bedeutung zu, weil es das Gesicht des neuen Stadtteils maßgeblich mit prägen wird. Hier wird auch der öffentlich zugängliche Info-Pavillon stehen, der über die Entstehungsphase von Siemensstadt Square hinaus Bestand haben wird. Die Freiflächen des Entrées liegen zwischen dem künftigen S-Bahnhof Siemensstadt, dem Rohrdamm und dem neuen Stadtteil Siemensstadt Square. Sie umfassen insgesamt mehr als 20.000 m². Das Entrée ist damit fast so groß wie drei Fußballfelder und gliedert sich in drei Bereiche: den Platz am S-Bahnhof, den Vorplatz zum Siemens-Atriumgebäude und das Areal am Rohrdamm. Zur Berücksichtigung der Wünsche aus der Bürgerschaft führte Siemens gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen im Umfeld des Wettbewerbs eine umfangreiche Bürgerbeteiligung durch. Die Resultate flossen direkt in die Auslobung des Wettbewerbs ein. Visualisierung: © Greenbox Landschaftsarchitekten/Siemens 16

Projekt Siemensstadt Square Berlin Entrée  Als Vorsitzender der Jury lobte Michael Kaschke, WES Landschaftsarchitekten Hamburg, den Gewinnerentwurf als „eine solide Arbeit, die auf wohltuende, ruhige Art, durch Aufnahme des städtebaulichen Rasters der Siemensstadt Square und den darin eingebetteten vielfältigen Freiraumnutzungen ein neues attraktives Eingangsentrée darstellt.“ Der Gewinnerentwurf von Greenbox Landschaftsarchitekten zeichnet sich dabei auch dadurch aus, dass er innerhalb eines klar definierten Grundgerüstes eine Vielzahl von Raum-, Aufenthalts- und variablen Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Stefan Kögl, General Manager des Siemensstadt Square Projekts und Mitglied der WettbewerbsJury, hob insbesondere das ganzheitliche und innovative Nachhaltigkeitskonzept des Gewinnerentwurfs hervor: „Der Entwurf ist in der Struktur klar gegliedert und bietet seinen zukünftigen Nutzern eine abwechslungsreiche Vielfalt an unterschiedlichen barrierefreien Raumqualitäten und schafft eine selbstverständliche Verknüpfung mit der Nachbarschaft – die Menschen werden sich hier wohl fühlen. Es wird zudem eine hohe Klima-Resilienz erzeugt mit einem geringen Versiegelungsgrad, ausgewogener Pflanzenwahl und einem durchdachten Regenwassermanagement.“ „Siemens-Galerie“ bildet ein zentrales Element Als zentrales Element führt eine „Siemens-Galerie“ auf den Boulevard in den neuen Stadtteil der Zukunft hinein. So entsteht eine einladende Eingangssituation und gleichzeitig eine markante Fortsetzung des Boulevards in Richtung S-Bahn. Zudem ermöglicht die lineare Gestaltung eine vielseitige Belebung, die die historische Tiefe des Ortes und des Unternehmens Siemens erlebbar machen. Großzügige Pflanzflächen tragen dabei wesentlich zur einladenden Atmosphäre bei und leisten einen wertvollen Beitrag zur Stadtökologie sowie zum Wassermanagement. Darüber hinaus gefiel der Jury, dass „historische und neue Gebäude in eine identitäts- und raumbildende Beziehung zueinander treten, so dass auch der Pavillon als Teil des baulichen Ensembles behandelt wird. Im Rahmen des Wettbewerbs waren die teilnehmenden Architekturbüros aufgefordert, einen spannenden Übergang vom Rohrdamm im Osten bis zum zukünftigen Boulevard im Westen zu schaffen. Dabei sollten nicht nur Vorschläge zur Raumfolge und zu Materialien erarbeitet werden. Im Mittelpunkt standen auch Anforderungen zur klima- und artengerechten Bepflanzung einschließlich des Regenwassermanagements, Barrierefreiheit, Anbindung an das bestehende Verkehrsnetz sowie öffentliche Nutzungsmöglichkeiten. Die bauvorbereitenden Maßnahmen für den ersten Abschnitt laufen bereits auf Hochtouren. Für Ende Juni 2024 ist die Grundsteinlegung geplant. Mit Siemensstadt Square plant und gestaltet Siemens ein zukunftsweisendes neues Stadtquartier. Es ist eines der ambitioniertesten städtebaulichen Projekte Berlins. Bis 2035 werden hier 35.000 Menschen wohnen, arbeiten, lernen und forschen sowie Technologien von morgen erproben und produzieren. Der neue hybride Stadtteil wird die digitale mit der realen Welt verbinden. Dank eines digitalen Zwillings wird die Siemensstadt Square mehrdimensional geplant, gebaut und betrieben. Intelligente Technologien und erneuerbare Energien machen das Areal im Betrieb CO£ neutral und besonders energieeffizient. Visualisierung: © Greenbox Landschaftsarchitekten/Siemens 17

Projekt  Nachhaltiger Holzbau/Schumacher Quartier Wälder, Städte und ihr Kohlenstoffkreislauf Erste Veröffentlichung der neuen Reihe URBAN TECH STUDIES Beispiel eines vierstöckigen Gebäudes und seiner städtebaulichen Lage im Schumacher Quartier Abbildung: © Tegel Projekt GmbH Die Tegel Projekt GmbH entwickelt im Auftrag des Landes Berlin die Flächen des ehemaligen Flughafens Tegel zu einem Innovationspark für urbane Technologien, Berlin TXL – Urban Tech Republic, und einem smarten Wohnquartier, dem Schumacher Quartier. Das Quartier wird über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen bieten – mitsamt den dazugehörigen Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Einrichtungen. Geplant ist ein Bildungscampus mit zwei Schulen sowie Sport- und Jugendeinrichtungen, dazu sechs Kindertagesstätten. Mit dem Schumacher Quartier auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entsteht Deutschlands größtes urbanes HolzbauQuartier. Der mit dem Quartier verbundene CO₂-Fußabdruck soll möglichst geringgehalten werden. Gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Berlin veröffentlichte die Tegel Projekt GmbH Ende Januar 2024 eine Studie zum nachhaltigen Holzbau, die sechs verschiedene Arten der Baukonstruktion im Hinblick auf deren CO₂-Bilanz am Beispiel des Schumacher Quartiers vergleicht. In dem einjährigen Forschungsvorhaben mit Studierenden der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Galina Churkina wurden die Wertschöpfungsketten im Holzbau am konkreten Beispiel des Schumacher Quartiers systematisch, empirisch und qualitativ untersucht. Die jetzt vorliegende Studie „Wälder, Städte und ihr Kohlenstoffkreislauf – Quantifizierung der Auswirkungen verschiedener Arten der Baukonstruktion auf den Kohlenstoffhaushalt im Schumacher Quartier“ liefert wichtige Erkenntnisse zu den folgenden Fragen: 1. Welche Arten der Baukonstruktion sind am klimafreundlichsten im Hinblick auf ihre Kohlenstoffemissionen und die Kohlenstoffbindung? 2. Welche Baustoffe und Gebäudeteile leisten den größten Beitrag zu den Kohlenstoffemissionen bei Produktion, Fertigung und Transport und welche Baustoffe binden den meisten Kohlenstoff? 3. Ist der Einsatz von regionalem Holz und anderen regionalen Rohstoffen immer am klimafreundlichsten? 18

Projekt Nachhaltiger Holzbau/Schumacher Quartier  Vergleich der Bauweisen Kohlenstoffemission und Bindung Abbildung: © Tegel Projekt GmbH Die Ergebnisse zeigen, dass holzbasierte Arten der Baukonstruktion im direkten Vergleich in der Produktion rund 40 Prozent weniger Kohlenstoffemissionen erzeugen als mineralbasierte Arten der Baukonstruktion. Mineralische Baustoffe wie Kalkstein, Stahlbeton und Ziegel haben das geringste Potenzial zur Kohlenstoffbindung. Im Gegensatz dazu weisen holzbasierte Bauweisen aufgrund der höheren Mengen an organischen Materialien ein höheres Kohlenstoffbindungspotenzial auf. Die Kohlenstoffbindung in biomassebasierten Gebäuden reicht von 21,5 kt bis zu 70,3 kt und ist daher 4 bis 19 mal so groß wie bei mineralbasierten Arten der Baukonstruktion. Außerdem spielen Transportwege eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Kohlenstoffemissionen, wobei die Transportemissionen in hohem Maße von dem transportierten Gewicht abhängen. „Die Studierenden der TU Berlin konnten für uns anwendungsorientiert, anhand eines konkreten Beispielgebäudes, die Vorteile des Holzbaus hinsichtlich geringerer Kohlenstoffemissionen und eines höheren Kohlenstoffbindungspotenzials nachweisen. Diese Ergebnisse haben Implikationen für nachhaltige Baupraktiken im Schumacher Quartier und weisen darauf hin, dass holzbasierte Bauweisen auch darüber hinaus eine vielversprechende Möglichkeit zur Reduzierung des CO₂­ Fußabdrucks im Bauwesen bieten“, sagt Gudrun Sack, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH nach Veröffentlichung der Studie. „Die wegweisende Planung des Schumacher Quartiers, die auf den Einsatz von lokalem Holz setzt, erwies sich als ideale Fallstudie, zur tiefgreifenden Analyse umweltfreundlicher Baustoffe. In einer Zeit, in der nachhaltiges Bauen von entscheidender Bedeutung ist, zeigen unsere Ergebnisse vielversprechende Wege auf, wie der Einsatz von biomasse basierten und emissionsarmen Baustoffen einen signifikanten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten kann," ergänzt Prof. Dr. Galina Churkina von der Technischen Universität Berlin. Eine weitere Erkenntnis der Studie ergab die Berechnung, dass die Hälfte des Schumacher Quartiers bei einer Bauphase von zehn Jahren aus den Berliner und Brandenburger Forsten errichtet werden könnte. Welcher Rohstoff ist am klimafreundlichsten? Für das Schumacher Quartier wurde der Begriff „regional“ als innerhalb der Grenzen der Bundesländer Berlin und Brandenburg definiert. Die Recherche zu möglichen Materiallieferantinnen und lieferanten hat Unterschiede in der Verteilung von Herstellern verschiedener Materialgruppen in Deutschland und den Nachbarländern gezeigt. Die Transportwege sind sehr unterschiedlich, von häufig eingesetzten Materialien wie Beton, bei denen es einfach ist, lokale Anbieterinnen und Anbieter zu finden, bis hin zu stark spezialisierten Anbieterinnen und Anbietern, die lange Transportwege bis nach Berlin auf sich nehmen müssen, wie zum Beispiel bei den Produkten überregionaler Anbieter. Außerdem sind das Gewicht, der Anteil und die Menge der Baustoffe für verschiedene Bauweisen unterschiedlich. Dementsprechend müssen verschiedene Verhältnisse zwischen Kohlenstoffemissionen und Transportwegen berücksichtigt werden (Quelle: Studie der neuen Reihe URBAN TECH STUDIES gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin). Was dies für die einzelnen Materialflüsse des Schumacher Quartiers und damit für die Materialauswahl bedeutet, zeigt die Studie in einem Radius um die zukünftige Baustelle. 19

Projekt  Umgestaltung Europaplatz Süd Herzlich Willkommen in Berlin Umgestaltung am Europaplatz Süd vor dem Berliner Hauptbahnhof Der Vorplatz am Berliner Hauptbahnhof zur Invalidenstraße – der sogenannte Europaplatz Süd – soll gemäß Abstimmung zwischen dem Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klima- und Umweltschutz, dem Bezirk Mitte von Berlin und der Deutschen Bahn AG zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Umsteigebeziehungen umgestaltet werden. Dazu wurden vier Landschaftsarchitekturbüros mit der Erarbeitung eines Vorschlages beauftragt. Im Oktober 2023 wählte eine achtköpfige Jury aus VertreterInnen des Landes Berlin und der Deutschen Bahn AG sowie mit fachlicher Unterstützung durch vier LandschaftsarchitektInnen den überzeugendsten Entwurf aus. Der Entwurf der Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden wurde im Ergebnis der Sitzung des Auswahlgremiums unter Beteiligung von Sachverständigen der Berliner Feuerwehr, der BVG, der zuständigen Senatsverwaltungen für Mobilität, Verkehr, Klima- und Umweltschutz und Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie der Fachbereiche der Deutschen Bahn AG zur Umsetzung empfohlen. Der Entwurf orientiert sich grundsätzlich am städtebaulichen Raum und arbeitet konzeptionell wie auch im Detail mit dem Spiel der unterschiedlichen Richtungen. Ziel der Verfasser ist es, eine möglichst großzügige, offene Platzfläche auszuformen, die den ankommenden Reisenden ein freundliches Willkommen bietet. Unter dem Leitbild „Entrée Berlin“ soll ein urbaner, einladender Platzraum in der Mitte der Stadt entstehen, der eine gute Orientierung und atmosphärische Aufenthaltsorte bieten soll. Ein Hauptelement des Konzeptes ist der „Grüne Schirm“, der sich gegenüber dem Bahnhofsgebäude befinden wird. Als eine unregelmäßige Pflanzung hochstämmiger Bäume soll sich ein durchlässiger Raum formen, der einerseits eine Abschirmung zur Invalidenstraße herstellen, andererseits auch einen atmosphärischen Aufenthaltsort bilden wird. Vom Bahnhofsgebäude bis zur Invalidenstraße soll eine durchgängige Oberfläche ohne Stufen oder Bordanlagen geschaffen werden. Visualisierung: © Rehwaldt Landschaftsarchitekten 20

Projekt Umgestaltung Europaplatz Süd  Starke Geste für ankommende Gäste Senatsbaudirektorin Prof. Petra Kahlfeldt: „Das Konzept von Rehwaldt Landschaftsarchitekten hat mich und die Jury überzeugt, mit einer starken offenen und einladenden Geste. Der künftige Europaplatz Süd wird dabei ergänzt durch ein grünes Baumdach entlang der Invalidenstraße und einer klaren Kante mit Fahrradabstellmöglichkeiten und weiterer Infrastruktur nach Osten hin.“ Als Material wird ein Asphalt mit geschliffener Oberfläche verwendet, der einen möglichst hohen Komfort bietet. Mittels heller Zuschlagstoffe und ggf. eingefärbter Bindemittel wird ein freundlicher, warmer und auch lebhafter Gesamteindruck erzeugt werden, der dem eines Terrazzobelages ähnelt. Das Regenwasser wird in Schlitzrinnen aufgefangen und größtenteils in den nördlichen Bereich geführt, wo es im „Grünen Schirm“ in einer Speicherrigole gesammelt wird. Hier sollen die Bäume das Wasser über die Wurzeln aufnehmen und es über die Baumkronen verdunsten. Dadurch wird ein kühlender Effekt für die unmittelbare Umgebung entstehen und das Regenwasser vor Ort nutzbar gemacht sowie die Kanalisation entlastet. Das Fahrradparken und die Jelbi-Station sowie ein möglicher Standort für ein WC werden am östlichen Platzrand, gut sichtbar und den Bauzaun verdeckend, in einem einfachen, später unter Umständen demontier- und umsetzbaren, Gebäude mit begrüntem Dach zusammengefasst. Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ergänzt: „Wir freuen uns, dass sich das Auswahlgremium zur Umgestaltung des „Europaplatzes Süd“ einstimmig für ein Planungsbüro entschieden hat. Mit dieser Variante schaffen wir eine deutliche Aufwertung und mehr Struktur auf dem Bahnhofsvorplatz an der Invalidenstraße.“ Nach dieser Entscheidung wird das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden mit der weiteren Planung beauftragt. Vorgesehen sind die Planungen bis Sommer 2024 abzuschließen und anschließend mit der baulichen Umsetzung zu beginnen. Die Fertigstellung der anspruchsvollen Bauaufgabe soll bis Ende 2025 erfolgen. Plan: © Rehwaldt Landschaftsarchitekten 21

Projekt  Weltstadthaus und Bürohochhaus am Alex Die neue Skyline von Berlin wird echt schniecke Hochhausbauten am Alexanderplatz gehen weiter Als innerstädtisches Areal ersten Ranges mit sehr guter Erschließung des ÖPNV und DB-Regionalverkehrs rückte der Alexanderplatz bereits direkt nach der Wiedervereinigung in den Fokus einer Weiterentwicklung des großen Flächenpotenzials. Mit möglichen sieben Hochhäusern, die teilweise schon im Bau sind, wird hier die neue Skyline von Berlin wachsen. Während der Bauphasen traten jedoch im Untergrund geologische und oberirdisch finanzielle Probleme auf. Manch ein Berliner vermutet deshalb rund um den Alex „Bauzäune für die Ewigkeit“. Zumindest für die Modernisierung des Kaufhof-Warenhaus zum „Galeria Weltstadthaus“ und die Errichtung eines Bürohochhauses gehen planmäßig voran. Die Commerz Real hat für ihren offenen Immobilienfonds Hausinvest das im Bau befindliche Bürohochhaus „Mynd“ und das „Galeria Weltstadthaus“ am Berliner Alexanderplatz 2023 komplett von SIGNA Prime erworben. Vorab war die Sachwertetochter der Commerzbank an dem Komplex nur zu 20 Prozent beteiligt. Derzeit laufen für den Büroturm die Vorbereitungen für den Rohbau. Im November 2023 hatte die Commerz Real das Bauunternehmen Züblin mit den Rohbauarbeiten beauftragt. Nach Fertigstellung im Jahr 2026 soll das Gesamtensemble über etwa 100.000 m² Geschossfläche verfügen. Wie die Commerz Real in diesem Zusammenhang bestätigt, ist der städtebauliche Vertrag, den ursprünglich der Vorbesitzer Signa Prime unterzeichnete, mit dem Verkauf der Immobilien im Juni 2023 auf den Hausinvest übergegangen. Das betrifft vor allem den bestehenden Mietvertrag mit dem Galeria-Warenhaus. Da dessen Modernisierung im laufenden Betrieb vorgenommen wird, ist eine vorübergehende Schließung nicht notwendig. Visualisierung: © Commerz Real 22

Das Bauvorhaben wird auf Grundlage des von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen im Jahre 2000 für den Alexanderplatz festgesetzten Bebauungsplans I-B4a und des vom Land Berlin mit dem Vorhabenträger 2022 abgeschlossenen städtebaulichen Vertrages realisiert. Der Entwurf wurde intensiv mit dem Berliner Baukollegium abgestimmt. Wichtige Projektmerkmale, wie ein innovatives Nachhaltigkeitskonzept, die öffentlich zugängliche Dachterrasse sowie Flächen für gemeinwohlorientierte Nutzungen sind im Sinne des Hochhausleitbildes für Berlin. Absolut zentral gelegen und logistisch perfekt angebunden wird der Büroturm mit seinen modernen Flächen und vielfältigen Nutzungen das neue Highlight in Berlins Mitte. Der 134 m hohe Turm wird nach einem Entwurf des Berliner Architekturbüros Kleihues und Kleihues errichtet und etwa 30.000 m² flexibel nutzbare Bürofläche mit Blick über Berlin umfassen. Offen und großzügig gehalten, sollen die Räume mit moderner und intelligenter Technik sowie bodentiefen Fenstern ausgestattet sein. Rund 1.000 m² wurden dem Land Berlin für eine gemeinwohlorientierte Gewerbenutzung zugesichert. Das Warenhaus wird als Galeria Weltstadthaus fortgeführt. Im ersten Untergeschoss und im Erdgeschoss sind darüber hinaus etwa 1.650 m² für einen hochwertigen Lebensmittelbereich und für kleinteiligen Einzelhandel vorgesehen. In den beiden oberen Geschossen ist auf rund 3.500 m² ein sogenannter Food-Culture-Market geplant, welcher Genuss, Kultur und Einkauf verbinden soll. Die großzügige Dachterrasse mit Blick auf den Berliner Fernsehturm soll öffentlich zugänglich sein. Wegweisendes Nachhaltigkeitskonzept Für das Bauvorhaben werden die Zertifikate LEED Platin (ökologische Nachhaltigkeit), WELL Gold (Gesundheit und Wohlergehen der späteren Nutzer) sowie WiredScore (digitale Vernetzung) angestrebt. Das Energiekonzept des Gebäudes sieht u.A. Geothermie für ressourcensparendes Heizen und Kühlen vor, die Wärme- und Kältegewinnung durch Kälte- und Wärmepumpen und vor allem durch die Verwendung bisher ungenutzter Abwärme aus dem Bestandsgebäude. Lastspitzen werden durch Fernwärme gedeckt. Zusätzlich wird eine knapp 3.900m² große Photovoltaikanlage einen Teil des Strombedarfs zur Verfügung stellen. Für den Restenergiebedarf kommt ausschließlich Ökostrom zum Einsatz. Weitere Maßnahmen sind intelligente Beleuchtungs-, Aufzugs- und Lüftungssysteme. Projekt Weltstadthaus und Bürohochhaus am Alex  Visualisierung: © Commerz Real 23

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