Die Musik spielt auf der Baustelle Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Warum haben sie sich nur fünf Jahre nach Unternehmensgründung und mitten in der Corona-Krise neuerfunden? Maciej Ciechanowski: Als Generalunternehmen haben wir Gewerke und Handwerker für zahlreiche Bauprojekte koordiniert und damit die komplette Bauleistung aus einer Hand erbracht. Dieses Geschäftsmodell beruhte auf meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit, deutsche Konzerne auf dem polnischen Markt zu etablieren, darunter die Handelskette Metro oder den Discounter Lidl, die dann zu unseren Bauauftraggebern wurden. Die Corona-Pandemie stoppte dieses Geschäftsmodell; zum wirtschaftlichen Überleben mussten wir umdenken. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: War die Spezialisierung auf öffentliche Ausschreibungen ein Zufallstreffer oder gab es bereits vorher Überlegungen in diese Richtung? Maciej Ciechanowski: Ich habe an der TU Berlin Informatik und Elektrotechnik studiert und war bei der IHK als Elektrotechniker zugelassen. Die Grundkenntnisse und die Affinität zur Elektrotechnik waren also vorhanden, auch wenn ich den überwiegenden Teil meines Berufslebens im betriebswirtschaftlichen Bereich verbracht habe. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Ausschreibungen gehörten in den letzten Jahren nicht zu den beliebtesten Geschäftsmodellen. Vielmehr füllten Bauspezialisten bevorzugt ihre Auftragsbücher durch freie Vergaben auf dem damals boomenden Markt. Sie gingen den Weg in die andere Richtung? Maciej Ciechanowski: Eine meiner Einstellungen lautet, nur wer gegen Strom schwimmt, kommt zur Quelle. Ich hatte das Gefühl, dass sich durch Corona und dem Ukrainekrieg vieles ändern wird. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Wie lange mussten Sie auf den ersten Zuschlag warten? Maciej Ciechanowski: Wir erhielten bereits kurz nach der Umstrukturierung den Zuschlag für eine Ausschreibung, die ich mit sechs Arbeitskräften ausführte. Mittlerweile haben wir mit 20 festangestellten Mitarbeitern unseren Umsatz verzehnfacht und Projekte, wie das Finanzamt Wedding, die Amerika Gedenkbibliothek oder das Rote Rathaus ausgeführt. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Wie stellen Sie die Leistungsfähigkeit Ihres Teams sicher, angesichts des Dauerargumentes fehlender Fachkräfte? Maciej Ciechanowski: Bei diesem Thema kann ich nur den Kopf schütteln. Wir haben in Deutschland keinen Fachkräftemangel, höchstens eine unnötig aufgeblasene Bürokratie und falsche Politikansätze. Viele Fachkräfte in meinem Unternehmen kommen aus dem Ausland und suchen hier eine Möglichkeit der Integration und der Chance, sich ein neues, eigenständiges Leben aufzubauen. Dabei unterstützen wir als Unternehmen und verantwortungsbewusste Menschen jeden Mitarbeiter. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Wie begegnen Sie Sprachbarrieren und Verständigungsproblemen? Maciej Ciechanowski: Ich selbst spreche vier Sprachen fließend, außerdem habe ich selbst Migrationserfahrung, da ich als Jugendlicher mit meiner Familie als Spätaussiedler aus Danzig nach Deutschland kam und da übrigens schon an der Akademie der Seehochschule Danzig eine Ausbildung in der Elektrotechnik absolviert habe. Mir sind die Chancen und Hürden einer erfolgreichen Integration aus eigener Sicht also bekannt, ebenso meiner aus der Ukraine stammenden Ehefrau. Unsere Mitarbeitenden werden von uns in einzelnen Bereichen spezialisiert, die dann immer wiederkehrend eingesetzt werden. Am Anfang hilft auch die KI bei Sprachproblemen oder die Unterstützung anderer Teammitglieder. Wir fühlen eine Verantwortung für die Menschen, die zu uns kommen, bieten ihnen eine Perspektive, erwarten jedoch auch Motivation und Bereitschaft zum Lernen. Gemeinsam sind wir so erfolgreich. Redaktion Verlagshaus Prinz-Carl: Wir danken für das Gespräch. Anzeige Ursprünglich wurde die Nagatari Bau Systems GmbH 2017 als Bauunternehmen gegründet. 2021, mitten in der Corona-Krise spezialisierte sich der Inhaber auf Elektro- und Netzwerktechnik, zu einem Zeitpunkt, als andere Unternehmen um das Überleben in der Baubranche kämpften. Wir trafen den Inhaber und Geschäftsführer Maciej Ciechanowski, der auf dem Standpunkt steht, die Musik spielt auf der Baustelle und nicht in einem Büro „Unter den Linden“. Foto: © privat 21
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