architektur schleswig-holstein 2021 ... bauwirtschaft + industrie

Fachbericht „Alles, was unterwegs geregelt wird, kostet Zeit und Geld“ …so lautet das Fazit von Dipl.-Ing. Stephan Süfke. Der Bausachverständige und Betonin- standsetzungsingenieur bildet gemeinsammit Dipl.-Ing. SachverständigemWerner Sund das Bausachverständigenteam-Nord GmbH & Co. KG aus Kiel. Beide haben sich u. a. auf Betonin- standsetzungen spezialisiert und damit jede Menge quer durch die Republik zu tun. Denn nicht nur an Brücken und Straßen, sondern auch an Gebäuden und Tiefgaragen nagt der Zahn der Zeit. Lange glaubte man, dass Betonbauwerke fast war- tungsfrei sind und schenkte ihnen daher während der ersten Jahre ihrer Nutzungszeit kaum Beach- tung. Inzwischen weiß man, dass auch Betonkons- truktionen regelmäßig überwacht werden müssen und kleinere Schäden einer umgehenden fachge- rechten Sanierung bedürfen. Trotz seiner robusten Erscheinung gehört Beton zu den chemisch insta- bilen Baustoffen, die höchst sensibel auf äußere Einflüsse reagieren. Einer der größten Feinde sind Chloride und Feuchtigkeit, die den Bewehrungs- stahl innerhalb des Betonkörpers angreifen und somit die Standfestigkeit des Bauwerks in Frage stellen. Sie gelangen durch Risse und Wasserein- tritt in das Bauwerk. Aber auch Ausführungs- und Planungsfehler sowie für die Dauerhaftigkeit sei- nerzeit unzureichende Betonbau-Normungen, set- zen den Bauwerken, insbesondere aus den 1960er und 1970er Jahren, mittlerweile zu. Eigentlich harmonieren Stahl und Beton durchaus. Der Stahl verbessert die Stabilität des Betons, während dieser den eingebauten Stahl vor Korro- sion schützt. Kommt es im Laufe der Nutzungs- dauer des Bauwerks jedoch zu Schäden gilt es vor der Instandsetzung auf die Suche nach der Ursache zu gehen. Dipl.-Ing. Stephan Süfke beginnt seine Schadensanalyse immer mit der Frage nach der Restnutzungsdauer, die ein Gebäude oder eine Brücke noch besitzen soll. Seine Faust- regel lautet: „Die Lebensdauer einer Tiefgarage beträgt ca. 80 Jahre, die eines Hauses ca. 100 Jahre. In dieser Zeit sollte man eine zweimalige Instandsetzung einplanen, de- ren gemeinsame Kosten, denen der ursprünglichen Baukosten ohne Berücksichtigung der Inflation entsprechen. Eine intensive Planung verursacht im Vorfeld einen höheren finanziellen Aufwand, aber alles was unterwegs geregelt wird, kostet Zeit und Geld.“ Mit dieser Entscheidung durch die Bauherren beginnt die Planungsphase. Schadensbewertung auch im Labor Im Rahmen der Voruntersuchungen werden so viele Fakten wie möglich gesammelt. Ein Großteil stammt daher auch aus dem Labor. Das Bausachverständigenteam greift dabei auf eine Prüfgesellschaft in Pinneberg zurück, wo die unterschiedlich gezogenen Proben des Bauwerks auf ihr Materialverhalten hin untersucht werden. Nachdem die Ursache für den Schaden gefunden ist, wird gemeinsam mit den Bauherren die weitere Vorgehensweise abgestimmt. Die Palette ist umfangreich und kann von Teilabrissen über Einbringen von neuem Bewehrungsstahl bis hin zu kleineren Betonausbesserun- gen oder dem kompletten Abbruch sowie dem Einsatz von Spritzbeton reichen. Das so erarbeitete Instandsetzungskonzept bildet die Grundlage für die Ausschreibung. Ziel des Konzeptes ist in der Regel die Wiederherstellung der Nutzungsdauer für ca. 20 bis 30 Jahre, d.h. Erhalt der Standsicherheit und Tragfähigkeit, Wiederherstellung des Kor- rosionsschutzes, Beseitigung von kleineren Beschädigungen, die mittel- und langfristig größere Instandsetzungen erfordern oder auch die Ertüchtigung des Brandschutzes. Im Rahmen der Instandsetzung gibt es heute eine Reihe von Verfahren, die je nach Bauwerk, Nutzungsdauer und Beanspruchung zum Einsatz kommen. Mit dem Start des Bauwerks in sein zweites Leben rückt auch der Fokus der Überwachung im Rahmen eines Instandhaltungskonzeptes bzw. in Form von regelmäßigen Überwachungen und Prüfungen in den Mittelpunkt, um kleineren Schäden zukünftig nicht die Macht zu geben, einmal über einen Abbruch eines Bauwerks zu entscheiden. Dipl.-Ing. Stephan Süfke Bausachverständigenteam-Nord GmbH & Co. KG, Kiel Foto: © Bau Sach Verständigen Team Nord GmbH & Co. KG Foto: © Bau Sach Verständigen Team Nord GmbH & Co. KG

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