architektur bern/basel bauen + handwerk 2020/21

6 Schweizer Gemeinden sind dazu angehalten, nach innen zu verdichten und ihre Raum- und Siedlungsentwicklung zu überdenken. Wenn es unter den aktuellen Herausforderun- gen auch in Zukunft menschenfreundliche und lebenswer- te Städte und Dörfer geben soll, muss ein systematisches Umdenken stattfinden. Städte waren und bleiben Motoren für wirtschaftliches Wachs- tum, technologische Entwicklungen und internationalen Wis- sensaustausch. Laut Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahre 2050 fast 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Herausforderung für die Industrienationen wird es sein, ihre Städte zu optimieren. Das bedeutet, sie energieeffizient, vernetzt und fuss- und velofreundlich zu gestalten. Aber wie geht man aus raumplanerischer Sicht mit den künf- tigen Herausforderungen einer Stadt um, deren knappes Gut der Grund und Boden sowie der Zugang zum Arbeits- und Wohnmarkt sind? Sabrina Contratto, Gründerin und Leiterin der CONT-S GmbH in Zürich, und Sibylle Wälty, die Ende Mai dieses Jahres ihre Dissertation an der ETH Zürich erfolgreich verteidigte und seit 2006 ihre eigene Firma Researchier GmbH in Baden betreibt, haben sich auf die Zusammenhänge von Nutzungsdich- te, -mischung, Mobilität und räumlicher Qualität spezialisiert. Mit diesem Hintergrund beraten sie Gemeinden, Investoren und Bauherrschaften bei der Entwicklung von Quartieren und setzen mit der von ihnen entwickelten Methode UrbanVision4.0 auf die Vorteile und Qualitäten der Innenverdichtung. Kernpunkt ist eine städtebauliche Vision über 100 Jahre, welche das Ent- wicklungspotenzial eines Ortes aufzeigt und so die Qualität der öffentlichen Räume sichern soll. Das Potenzial 4-dimensional ermitteln UrbanVision4.0 beschreibt eine vierdimensionale Methodik, die eine dynamische und wissenschaftliche Datenbasis mit drei- dimensionalen Entwurfsstrategien für Stadt- und Freiräume kombiniert, hinterlegt mit der 4. Dimension Zeit. Die Erfahrung der Unternehmerinnen hat gezeigt, dass sich bei Innenentwick- lungsprojekten die gängigen regulatorischen Instrumente wie Richtpläne und die Bau- und Zonenordnung schlecht eignen, um die nötigen übergreifenden Prozesse auszulösen, die ein Ort braucht, um substanziell an Qualität zu gewinnen. Die Grundlage hierfür bildet das von Sibylle Wälty im Rahmen ihres SNF-Projektes «How to grow» ETH Wohnforum – ETH CASE entwickelte Informations-System für eine Bodennutzung im Interesse der haushälterischen Bodennutzung. Dieses misst und projiziert die Intensität der Landnutzung, das Verhältnis von Wohnen und Arbeiten sowie die daraus resultierenden Mobili- tätsabhängigkeiten. «Verdichtung mit System» PR ■ CONT-S Ein Plädoyer für die zukunftsfähige Stadt Sibylle Wälty © Carole Fleischmann Sabrina Contratto © Reto Tuchschmid DNA © CONT-S Vernetzung © CONT-S Qualität © CONT-S Kooperation © CONT-S Gebiet der kurzen Wege © CONT-S

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