Obwohl sich die Lage in der Tiroler Bauwirtschaft nur langsam bessert, können wir auch heuer über einige spannende Projekte berichten. Gerade in den ländlichen Bereichen wurden Bauvorhaben realisiert, die auf ideenreiche Weise unterschiedliche Nutzungen und Sphären verbinden, im Sinne einer positiven urbanistischen Entwicklung und Belebung der Ortskerne. Während die gelungene Entwicklung des Gemeindezentrums Ebbs (Architekt Richard Freisinger) als klassische Ortskernentwicklung durch die Gemeinde realisiert wurde, entstand das Markthaus Telfs (Architekturhalle) als Projekt der örtlichen Raiffeisenbank. Es beinhaltet die Bankfiliale und vermietbare Geschäftsflächen, aber auch eine Markthalle mit Restaurant, die sich schwellenlos mit dem urbanen Raum im Zentrum der Marktgemeinde verbindet. Generationenübergreifend erscheint das neue Haus der Generationen in Tulfes (ARGE Architekturstube und DIN A4). Auf engem Raum in zentraler Lage harmonieren dank guter Planung vier Nutzungen: betreubares Wohnen, Kindergarten, Kinderkrippe und Schülerhort. Eine besondere Verbindung öffentlicher und privater Nutzung gelang durch das Projekt Dorfdomizil in Kirchbichl (Haselsberger Architekten): Zwei für Unterberger Immobilien errichtete Wohn und Geschäftsgebäude schließen eine öffentliche Fläche ein, die im Kontext des Projekts als öffentliche Treppenanlage ausgestaltet wurde. Im gemeinsamen öffentlichen und privaten Interesse liegt auch die Bewahrung der historischen Bausubstanz Tirols. So wurde die vielfach ausgezeichnete Sanierung der Burg Heinfels (Gerhard Foto: © Birgit Koell Fotografie Mitterberger Architektur) in Osttirol in Form eines PublicPrivatePartnerships umgesetzt, bereichsübergreifend (Museum und Gastronomie) aber auch epochenübergreifend: Mit klar zeitgenössischen Interventionen wurde das historische Erbe gesichert. In ähnlich unkonventioneller und verantwortungsvoller Weise gingen Wurzer Nagel Architekten bei der Sanierung der Sparkasse Rattenberg ans Werk: die historische Bausubstanz wurde bewahrt, ihr Charme freigelegt und in eine gewerbliche Nutzung eingebunden. Ein nicht nur Stockwerke, sondern auch geschichtliche Epochen verbindendes Erschließungsprojekt konnte in Schloss Ambras erfolgreich abgeschlossen werden. Der Einbau eines „elektrischen Aufzugs” (Fessler Architekten) im Schloss wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg im Auftrag von Thronfolger Franz Ferdinand geplant und – mutmaßlich – auch begonnen. Dann kam der Untergang der Monarchie dazwischen, das Projekt ruhte und wurde jetzt doch noch umgesetzt; in adaptierter Form, aber dennoch rekurrierend auf die alten, in Kurrent beschrifteten Pläne. Schöne Grüße wünscht Peter Oberdorfer Synergien und Interventionen Editorial 3
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