3 Editorial Peter Oberdorfer Neue Herausforderungen Die Auslastung in der Südtiroler Bauwirtschaft wird nach wie vor als zufriedenstellend beschrieben und ein hoher Prozentsatz der Unternehmen kann auch nach einigen nicht so fetten Jahren immer noch profitabel wirtschaften. Die Bautätigkeit ist allerdings von einem geringen Investitionsvolumen geprägt. In Bezug auf die Art der realisierten Vorhaben bedeutet dies, dass wir über viele unterschiedliche kleinere Projekte berichten dürfen, deren besondere Qualitäten vielleicht sonst im Schatten von Großprojekten stehen. Im gewerblich-industriellen Bereich etwa gibt es als ein Großprojekt die imposante Erweiterung des Firmensitzes von Rubner in Kiens (Griplan) zu vermelden, ansonsten aber auch Arbeiten im Bestand wie die facettenreiche Neugestaltung der Büros von Additive in Bozen (NOA). Als sehr spezielle Projektkategorie im gewerblichen Bereich entpuppt sich die Neugestaltung von Showrooms. Dabei geht es um eine szenografische Interpretation von Räumen und darum, dem Besucher ein sinnliches Gesamterlebnis zu bieten, das sich divers aus architektonischen Elementen, Lichtregie, Multimedia-Einsatz und sonstigen Spezialeffekten zusammensetzt. Bemerkenswerte Erlebnisräume im heurigen Programm wären die Showrooms von TechnoAlpin (Room2) bzw. Alpsfloor (MG Interior Design). Bauvorhaben mit geringem Kapitaleinsatz im Wohnbau-Segment sind typischerweise Umbauten und Sanierungen. Davon haben wir so viele im Angebot, dass sich eine unterscheidende Betrachtung anbietet. Zum einen gibt es die verdienstvollen Arbeiten im historischen Bestand, die zumeist streng reguliert im Denkmal- oder Ensembleschutz geleistet werden. Hier ist der gesetzliche Spielraum zwar gering, aber dennoch gelingen immer wieder spektakuläre Projekte (Forestis Villa in Brixen von Asaggio oder Oberbuchfelder in Lajen von raumdrei), die zeitlose Musealität und zeitgenössische Wohnnutzung ineinander übergehen lassen. Ganz andere Voraussetzungen gelten im nichthistorischen Bestand. Während man sich noch vor kurzem nicht lange mit dem Umbau von Bausubstanz aus den 60er, 70er oder 80er Jahren abgab, sondern lieber schnell abriss, hat sich dies heute – aus ökologischen und ökonomischen Gründen – grundlegend geändert. Für die Architektur ist dies in mehrerlei Hinsicht interessant: Zum einen, weil – fraglos – auch in der jüngeren Vergangenheit gelungene Bauten entstanden, deren Qualitäten neu gewürdigt werden. Zum Anderen erlaubt die Abwesenheit von Denkmalschutz ein anderes Gestalten: Es ist nicht mehr die strenge Abgrenzung von Alt und Neu gefordert und es entstehen hybride Verschmelzungen unterschiedlicher Formen. Beispiele dieser Kategorie wären: die Neuinterpretation der Villa L (50er Jahre) in Brixen durch Stefano Peluso, die einfühlsame Renovierung des Hauses T2 (60er Jahre) in Meran durch monovolume oder die spannende Überformung eines Wohngebäudes jüngeren Datums in St. Valentin durch Werner Pircher. Ein verwandter Bereich der Architektur ist die Ummodellierung und Neuerfindung bestehender Hotelbauten, entweder mit genial einfachen Mitteln (z.B. Summerhof von Stefan Gamper, Hotel Cosmea von upc architects) oder im Rahmen eines größeren Projektes, das dann die ästhetische Neugestaltung außen mit einer Neuorganisation innen verbindet (Hotel Fayn in Algund von JMC Architekt, Aparthotel Heidi und Eva in Rabland von planteam, Alpin Spa Hotel die Post in Sulden von Archifaktur). Schöne Grüße Peter Oberdorfer Foto: © Birgit Koell Fotografie
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