architektur südtirol 2025/26

raumdrei Architekten Zahlen – Daten – Fakten Sanierung Wohngebäude Kircherhof, Albeins Bauherr: privat Architektur: Raumdrei Architekten Baubeginn: 2024 Fertigstellung: 2025 Behutsame Sanierung: Kircherhof in Albeins Der Kircherhof in Albeins ist eines der ältesten Gebäude des Dorfes Albeins und geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Der Paarhof besteht aus einem Wohn- und einem Wirtschaftsgebäude, welche nebeneinander angeordnet und baulich miteinander verbunden sind. Im gegenständlichen Bauvorhaben wurde im Zuge einer sanften Sanierung das Wohngebäude in ein Mehrparteien- und damit Mehrgenerationenhaus umgewandelt. Im Erdgeschoss sowie im Ober- und Dachgeschoss wurden zwei eigenständige Wohneinheiten errichtet. Der bestehende Eingang mit Treppenhaus wird weiterhin für die Erschließung der neuen Wohneinheiten verwendet. Den Eingangsbereich und die angrenzende alte Stube nutzen beide Generationen, die Eltern im Erdgeschoss und die Tochter in den oberen Geschossen, gemeinsam. Foto: © Gustav Willeit Foto: © Gustav Willeit Das Dachgeschoss des Haupthauses wurde zu einer Ferienwohnung ausgebaut. Eine neue Gaube auf der Nordseite sorgt dort für Belichtung und schafft kleine private Außenräume. Die bestehende Dachstruktur blieb erhalten, lediglich die Sparrenlage wurde energetisch optimiert. Im Erdgeschoss ergänzt eine weitere Wohnung das Raumprogramm, während die historische Stube, eine Kammer und die Rußküche als gemeinschaftlich genutzte Aufenthaltsräume bestehen bleiben. Im Wirtschaftsgebäude entstanden drei neue Wohnungen. Das neu eingedeckte Strohdach bleibt damit erlebbar, die Öffnungen der Fassade blieben ebenfalls erhalten und wurden mit Holzlattungen ergänzt. Die rückversetzte Terrasse hinter der offenen Lattung bietet Privatsphäre und Ausblick – ein neues Element, das sich unaufdringlich einfügt. Die energetische Sanierung erfolgt denkmalgerecht: Eine innenliegende Dämmung im Wandbereich, Zwischensparrendämmung im Dach sowie die Erneuerung von Fenstern im historischen Format reduzieren den Energiebedarf und wahren gleichzeitig das Erscheinungsbild. Ein besonderer Fokus lag auf der nachhaltigen Innenausstattung: Die gesamte Möblierung wurde in Massivholz nach traditioneller Handwerkskunst gefertigt. Die Entwürfe orientieren sich an alten Vorbildern, im Bestand nachweisbare Farbtöne wie Eisenoxidrot und Taubenblau wurden extrahiert und als feine Akzente in das neue Farbkonzept eingearbeitet. Gestalterisch wurde der Bestand nicht rekonstruiert, sondern weitergedacht. So entstand ein fein austariertes Gefüge aus Alt und Neu, das den Hof nicht musealisiert, sondern transformiert – zu einem Ort stiller Lebendigkeit, in dem Geschichte atmosphärisch erlebbar wird. 154

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