architektur berlin 2026

Dr.-Ing. Alexander Gaulke Wohnungskrise Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum hat sich in den letzten Jahren deutschlandweit zunehmend verschärft. Laut der Wohnungsbedarfsprognose des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung werden bis 2030 jährlich 320.000 Wohnungen benötigt. Dem entgegen steht ein Einbruch beim Baubeginn von Wohnungsbauprojekten seit Ende 2022 um ca. 85 Prozent. 2025 wurden lediglich etwa 200.000 Wohneinheiten fertiggestellt und wegen der ebenfalls in diesem Zeitraum stark zurückgegangen Zahl an Baugenehmigungen ist in den kommenden Jahren keine Verbesserung in Sicht. In der Politik ist die Thematik angekommen und es wird mit dem Bau-Turbo der Bundesregierung bzw. mit dem Schneller-Bauen-Gesetz des Berliner Senates gegengesteuert. Die neuen Vorgaben müssen nun mit Leben gefüllt und umgesetzt werden. Fehlender Wohnraum kann das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen, wenn neue Angestellte keinen Wohnraum in der Nähe ihres Arbeitsplatzes finden. Angesichts eines stetig sinkenden Bestandes an Sozialwohnungen hat die Situation am Wohnungsmarkt aber auch eine erhebliche soziale Dimension, da die Zahl an Wohnungslosen stetig steigt. Die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ hat in ihrem Positionspapier vom September 2025 mehrere zentrale Forderungen herausgestellt: Es müssen Anreize für den bezahlbaren Wohnungsbau und die Bildung von Wohneigentum eingeführt werden. Durch die Erhöhung der Baupreise in Verbindung mit gestiegenen Zinsen ist der Neubau von Wohnraum in vielen Fällen unwirtschaftlich. Dem muss durch steuerliche Entlastungen, gezielte Förderprogramme und eigenkapitalersetzende Maßnahmen entgegengewirkt werden. Der Bestand an Sozialwohnungen muss wieder steigen. Dazu müssen verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine effiziente Förderung und die Möglichkeit des kostengünstigen Bauens ermöglichen. Besonders wichtig ist die Verringerung der Baukosten durch den Abbau von Bürokratie, standardisierte Bauweisen und Vereinfachungen im Bauvertragsrecht. Doch gerade der Bürokratieabbau ist schwierig, ohne Schutzziele oder Standards zu reduzieren. Aber auch die ausreichende Verfügbarkeit von geeignetem Bauland ist für den schnellen Wohnungsbau unerlässlich. Dafür muss es eine aktive Bodenpolitik durch gezielte Förderungen und die Abgabe von kommunalen Liegenschaften zu günstigen Konditionen geben. Als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben dürfen auch die Klimaauswirkungen nicht vernachlässigt werden. Die Baubranche verursacht fast 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen, davon werden ca. 75 Prozent aus dem Betrieb von Gebäuden hervorgerufen, was hauptsächlich auf die Verbrennung fossiler Energieträger für das Beheizen zurückzuführen ist. Um die CO₂-Emissionen beim Neubau zu reduzieren, sollten Anreize geschaffen werden, zunehmend auf CO₂-reduzierte Baustoffe zurückzugreifen. Hier besteht auch noch ein großes Potential für Forschung und Entwicklung. Um diese Ziele zu erreichen, müssen zusätzlich wirtschaftliche Anreize für die energieeffiziente Sanierung von bestehenden Gebäuden geschaffen werden. Gerade alte Gebäude haben eine schlechte Energiebilanz und sind für einen Großteil der Emissionen verantwortlich. Die Neubaustandards weiter anzuheben wäre wenig sinnvoll, da hier kaum noch Einsparmöglichkeiten vorhanden sind und die Baukosten erhöht werden würden. Deutschland braucht zukünftig mehr ökologisch nachhaltigen Wohnraum. Jetzt müssen die Weichen dafür gestellt werden. Dr.-Ing. Alexander Gaulke Landesvorsitzender BDB Berlin-Brandenburg Foto: © privat 6

RkJQdWJsaXNoZXIy MjUzMzQ=