3 Editorial Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser, Sie blättern gerade im Printmedium oder der Onlineversion der neuesten Ausgabe unseres Fachjournals „architektur bauwirtschaft + industrie“ für die Region Rhein-Main. Unsere Stammleser haben schon länger eine regionale Ausgabe der Metropolregion Rhein Main vermisst, so entwickelte sich die Idee, uns nach einigen Jahren wieder mal im Herz von Hessen umzuschauen. Viele Projekte über die wir damals im Planungsstadium berichteten sind inzwischen längst übergeben, dafür neue Ideen gerade am Entstehen. Wir haben jedoch auch von den Hürden und zunehmend herausfordernden Bedingungen von kommunalen und privaten Bauherren erfahren. Da passte es, dass zur Hauptversammlung des Deutschen Städtetages im vergangenen Jahr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung der Kommunen für die Demokratie mit dem Satz betonte: „In den Städten entscheidet sich, ob die Menschen Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Staates haben.“ Nach dieser Aussage liegt der Erfolg für Energiewende, Digitalisierung, sozialer Sicherheit und dem Erhalt der Demokratie in der Hauptverantwortung der Kommunen. Im Moment stehen leider ausgerechnet die Städte und Gemeinden auf Grund der internationalen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stark unter Druck. Hauptsächlich sind sie derzeit auf Kosten des sozialen Zusammenhalts zum Sparen gezwungen und können ihre Aufgabe als vertrauensbildendes Korsett für die Gesellschaft kaum mehr ausüben. Dies wird sich kurzfristig auch nicht ändern, zu vielschichtig sind die Faktoren, die darauf Einfluss nehmen und auch nicht immer nur von Bund und Ländern lösbar. Zu unberechenbar wirken die Kräfte derzeit auf Deutschland und Europa. Bei der Auswahl der Projekte haben wir jedoch auch festgestellt, dass es durchaus kreative Lösungen gibt und auch das Umland spannende Geschichten erzählen kann. So entwickelte die Kleinstadt Wächtersbach, ziemlich genau zwischen Frankfurt am Main und Fulda liegend, in einem historischen Schloss das neue Rathaus und im Alten Amtsgericht einen Ort für Kinderbetreuung sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Zwar noch in einer positiveren konjunkturellen Stimmung geplant, wurden die Projekte trotzdem konsequent umgesetzt. Ein engagierter privater Investor und ein Liegenschaftstausch machten es möglich; wir berichten in der Ausgabe davon. Weitere Kommunen, wie beispielsweise die Städte Hattersheim am Main oder Mörfelden-Walldorf investierten für den Sportverein und die Freiwillige Feuerwehr und damit für Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Bei unseren Recherchebesuchen konnten wir feststellen, dass sich auch außerhalb der traditionell starken Standorte wie Frankfurt am Main und Wiesbaden ebenfalls interessante Projekte entwickeln. So zum Beispiel das „Haus Mittendrin“ in Fulda, dessen Name auf seinen Standort hinweist und als Tagesförderstätte Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderungen einen schützenden Raum bietet. Oder das neue Stadtteilzentrum SüdOst Hanau, das im Rahmen der „Sozialen Stadt“ einen alten Industriebau ersetzt und das Zusammenleben der unterschiedlichen nationalen Bevölkerungsgruppen fördert. Auch die großen Kommunen schaffen Vertrauen. So wurde das neue Bürogebäude KREISLER zum Sitz der Deutschlandzentrale für Nestlé in der Frankfurter City. Eine Vision von Planer und Investor schenkte einem Bürostandort aus den 1960er Jahren ein neues Leben mit modernen Arztpraxen, flexiblen Büroräumen und unter anderem dem französischen Generalkonsulat als neuem Mieter im Stadtteil Bockenheim. Und irgendwo zwischen kommunalen Aufgaben und renditekalkulierten Entscheidungen haben wir auch die Projekte getroffen, die von kreativen Planern entworfen und von begeisterten Bauherren umgesetzt wurden. So verwandeln sich Lebensräume in Lebensträume mit Indoorrutsche im Wohnhaus, Outdoorküche im Garten oder lichtdurchfluteten Räumen mit spektakulären Aussichten. Wir können hier nicht auf alle Projekte hinweisen, legen sie Ihnen jedoch alle ans Herz beim Durchblättern der Ausgabe. Mit viel Engagement wurden wir von Architekten, Planern und Bauherren mit Informationen versorgt. Zahlreiche Projekt-Partner vermittelten uns Wissen über ihre Aufgaben innerhalb einzelner Gewerke. Bei Ihnen allen bedanken wir uns für ihre Zuarbeit und Geduld und letztendlich dafür, dass sie unsere Ausgabe mit Leben füllen. Viel Spaß bei Ihrer Reise durch die Metropolregion Frankfurt am Main. Es grüßt Sie Ihr Verlagsteam Foto © Gerd Altmann auf Pixabay
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